Franz Wessendorf,
Geschäftsführer der Wessendorf-Unternehmensgruppe Emstek (75 Mitarbeiter)

 

»Die Wessendorf Oberflächentechnik GmbH versteht sich als Kompetenzpartner des produzierenden und weiterverarbeitenden Gewerbes mit einer deutlichen Fokussierung auf die Automobilzulieferung sowie die Holz- und Möbelindustrie bei der Beschichtung von Bauteilen aus Kunststoff, Holz, Glas und Metall. Hervorgegangen aus der Handwerkstradition im Oldenburger Münsterland sind wir bekannt für hochwertige Oberflächen und Problemlösungen auf verschiedensten Bauteilen und spezielle Hochglanzbeschichtungen für den exklusiven Innenausbau beispielsweise für Megayachten, Privatjets oder Residenzen.«

Vom Armenhaus zur Boomregion.

Das herausragende industrielle Potenzial der Wirtschaftsregion Oldenburger Münsterland ist das Ergebnis eines tiefgreifenden Strukturwandels, der mit der Fertigstellung der Bundesautobahn 1 Ende der 60er Jahre einsetzte. Mit der Öffnung dieser Linie kamen die beiden entscheidenden Standortvorteile der Region voll zum Tragen: Die wirtschaftsgeographische Lage der Region zwischen den Seehäfen und dem Ruhrgebiet und die in weiten Teilen der Bevölkerung traditionell tief verankerte Mentalität der Selbstständigkeit.

 

Diese hat ihren Ursprung in der wechselvollen Geschichte des Oldenburger Münsterlandes: Bereits 1252 erwarb das Fürstbistum Münster die Grafschaft Ravensberg-Vechta. Nach dem Sieg über die Tecklenburger Grafen kam 1400 auch das Amt Cloppenburg zum Niederstift des Fürstbistums. Im Unterschied zum übrigen Niederstift war der Bischof von Münster seit 1668 auch geistlicher Oberhirte. Durch den Reichsdeputationshauptschluß von 1803 wurden beide Ämter Teil des protestantischen Großherzogtums Oldenburg. Die bis heute fortbestehende kirchliche Zugehörigkeit der mehrheitlich katholischen Bevölkerung zum Bistum Münster prägte die kulturelle Identität als Westfalen in Niedersachsen.

 

Die Landwirtschaft konnte wegen der kargen Sandböden die kinderreichen Familien jahrhundertelang nicht ausreichend ernähren. Gastarbeit in den benachbarten Niederlanden („Hollandgänger“) und Auswanderung in die USA waren vielfach die Folge. Erst der Anschluss an das Eisenbahnnetz zum Ende des 19. Jahrhunderts verschaffte den Landwirten neue Verdienstmöglichkeiten. Über die nahen Seehäfen kauften sie Getreide zu und begannen in größerem Umfang mit der Tiermast. Das Fleisch wurde per Eisenbahn ins Ruhrgebiet gebracht. Aus diesen Anfängen entstand in der Region ein Kerngebiet der Veredlungswirtschaft. Erste Betriebe der Futtermittelherstellung und der Produktvermarktung folgten. Noch in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts kennzeichneten jedoch weiterhin eine dominierende Landwirtschaft, Torfproduktion sowie Kleinbetriebe in den Bereichen Kork-, Textil- und Metallverarbeitung die Wirtschaftsregion. Durch die Nachfrage nach Torfverpackungen und Flaschenkorken mit Kunststoffkappe in den 50er Jahren entstanden auch erste Betriebe der Kunststoffverarbeitung.

 

Mit der Fertigstellung der BAB 1 galt dann: Wissen schafft im Oldenburger Münsterland neue Märkte! Im engen Kontakt mit den Landwirten vor Ort machten Maschinen- und Anlagenbauer die Region zum internationalen Innovationszentrum der Agrartechnologie.

 

Tatkräftige Unternehmerpersönlichkeiten bauten mit ihren motivierten Mitarbeitern eine hochmoderne Kunststoffindustrie auf. Die in der Agrar- und Kunststofftechnik gewonnenen Erfahrungen und Kenntnisse wurden rasch auch in anderen Bereichen eingesetzt: Heute werden im Oldenburger Münsterland auch Geräusche von Produkten marketinggerecht optimiert. Das weltweit erste Kreislaufsystem für Polyethylenkunststoffe ist hier entwickelt worden. High-Tech-Komponenten für die europäische Trägerrakete Ariane und den Space Shuttle werden hier produziert. Auch das Rad, mit dem Jan Ulrich Amateurweltmeister wurde, stellte ein Unternehmen aus der Region her.

 

 

 

Bruttosozialprodukt

Beschäftigung

Bevölkerung

Alwin Hanschmidt, 600 Jahre Niederstift Münster 1400 bis 2000, Teil 1, in: Jahrbuch für das Oldenburger Münsterland 2000, S. 143-163.

Alwin Hanschmidt, 600 Jahre Niederstift Münster 1400 bis 2000, Teil 2, in: Jahrbuch für das Oldenburger Münsterland 2001, S. 8-32.

Werner Klohn, Die Wirtschaftsstruktur der Landkreise Vechta und Cloppenburg, in: Jahrbuch für das Oldenburger Münsterland 2004, S. 258-281.

Hermann von Laer, Das Oldenburger Münsterland – eine moderne Industrie-Region. Industrie und Gewerbe im Oldenburger Münsterland weiterhin auf Erfolgskurs, in: Jahrbuch für das Oldenburger Münsterland 2005, S. 292-316.

Hermann von Laer, Das Oldenburger Münsterland – eine moderne Industrie-Region. Die Industrie im Oldenburger Münsterland – immer noch auf Expansionskurs, in: Jahrbuch für das Oldenburger Münsterland 2004, S. 292-314.

Hermann von Laer, Das Oldenburger Münsterland – eine moderne Industrie-Region. Die Entwicklung von Industrie und Gewerbe im Oldenburger Münsterland in jüngster Zeit, in: Jahrbuch für das Oldenburger Münsterland 2003, S. 280-322.

Hermann von Laer, Das Oldenburger Münsterland – eine moderne Industrie-Region, in: Jahrbuch für das Oldenburger Münsterland 2002, S. 286-318.

 

 

 

Heimatbund für das Oldenburger Münsterland