Peter Mager

Peter Mager, Aufsichtsratsvorsitzender der NORDENIA International AG Steinfeld (über 3.000 Mitarbeiter): „Das Oldenburger Münsterland hat in den vergangenen Jahrzehnten eine erstaunliche ökonomische Entwicklung genommen. Die Geschichte meines Unternehmens – der NORDENIA International AG – repräsentiert diese Entwicklung. 1966 gründete ich mit der Idee, Kunststoffsäcke ...“ [Weiterlesen ...]

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Vom Armenhaus zur Boomregion

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Das herausragende industrielle Potenzial der Wirtschaftsregion Oldenburger Münsterland ist das Ergebnis eines tief greifenden Strukturwandels, der mit der Fertigstellung der Bundesautobahn 1 Ende der 60er Jahre einsetzte. Mit der Öffnung dieser Linie kamen die beiden entscheidenden Standortvorteile der Region voll zum Tragen: Die wirtschaftsgeographische Lage der Region zwischen den Seehäfen und dem Ruhrgebiet und die in weiten Teilen der Bevölkerung traditionell tief verankerte Mentalität der Selbstständigkeit.

geschichte_karteDiese hat ihren Ursprung in der wechselvollen Geschichte des Oldenburger Münsterlandes: Bereits 1252 erwarb das Fürstbistum Münster die Grafschaft Ravensberg-Vechta. Nach dem Sieg über die Tecklenburger Grafen kam 1400 auch das Amt Cloppenburg zum Niederstift des Fürstbistums. Im Unterschied zum übrigen Niederstift war der Bischof von Münster seit 1668 auch geistlicher Oberhirte. Durch den Reichsdeputationshauptschluß von 1803 wurden beide Ämter Teil des protestantischen Großherzogtums Oldenburg. Die bis heute fortbestehende kirchliche Zugehörigkeit der mehrheitlich katholischen Bevölkerung zum Bistum Münster prägte die kulturelle Identität als Westfalen in Niedersachsen.

Die Landwirtschaft konnte wegen der kargen Sandböden die kinderreichen Familien jahrhundertelang nicht ausreichend ernähren. Gastarbeit in den benachbarten Niederlanden („Hollandgänger“) und Auswanderung in die USA waren vielfach die Folge. Erst der Anschluss an das Eisenbahnnetz zum Ende des 19. Jahrhunderts verschaffte den Landwirten neue Verdienstmöglichkeiten. Über die nahen Seehäfen kauften sie Getreide zu und begannen in größerem Umfang mit der Tiermast. Das Fleisch wurde per Eisenbahn ins Ruhrgebiet gebracht. Aus diesen Anfängen entstand in der Region ein Kerngebiet der Veredlungswirtschaft. Erste Betriebe der Futtermittelherstellung und der Produktvermarktung folgten. Noch in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts kennzeichneten eine dominierende Landwirtschaft, Torfproduktion sowie Kleinbetriebe in den Bereichen Kork-, Textil- und Metallverarbeitung die Wirtschaftsregion. Durch die Nachfrage nach Torfverpackungen und Flaschenkorken mit Kunststoffkappe in den 50er Jahren entstanden auch erste Betriebe der Kunststoffverarbeitung.

Mit der Fertigstellung der BAB 1 galt dann: Wissen schafft im Oldenburger Münsterland neue Märkte! Im engen Kontakt mit den Landwirten vor Ort machten Maschinen- und Anlagenbauer die Region zum internationalen Innovationszentrum der Agrartechnologie.

Tatkräftige Unternehmerpersönlichkeiten bauten mit ihren motivierten Mitarbeitern eine hochmoderne Kunststoffindustrie auf. Die in der Agrar- und Kunststofftechnik gewonnenen Erfahrungen und Kenntnisse wurden rasch auch in anderen Bereichen eingesetzt: Heute werden im Oldenburger Münsterland auch Geräusche von Produkten marketinggerecht optimiert. Das weltweit erste Kreislaufsystem für Polyethylenkunststoffe ist hier entwickelt worden. High-Tech-Komponenten für die europäische Trägerrakete Ariane und den Space Shuttle werden hier produziert. Auch das Rad, mit dem Jan Ulrich Amateurweltmeister wurde, stellte ein Unternehmen aus der Region her.

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