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Patienten künftig immer digitaler beim Arzt

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Digitalminister informiert sich beim ersten niedersächsischen Gesundheitsgipfel über Projekt der Corantis-Kliniken Vechta

digital1Vechta/Hannover. Niedersachsens Digitalminister und stellvertretender Ministerpräsident, Dr. Bernd Althusmann, hat beim ersten niedersächsischen Gesundheitsgipfel betont, die Digitalisierung in Niedersachsen zu forcieren, um ihre Chancen nutzen zu können. Er informierte sich in diesem Zusammenhang auch über ein Projekt der Corantis-Kliniken aus Vechta, Gewinet und weiterer Partner zur Behandlung chronischer Schmerzen mithilfe virtueller Technik. Annika Thomas von Gewinet und Benjamin Kinast (Corantis Kliniken Vechta) stellten dem Minister die aktuelle Entwicklung des unter anderem von der EU geförderten Projektes beim ersten niedersächsischen Digitalgipfel der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) und der Hochschule Hannover vor.

Patienten sollen künftig Alltagstätigkeiten in der virtuellen Realität wiedererlernen können. Im Rahmen der Therapie üben sie zum Beispiel das Pflücken von Äpfeln oder das Einräumen von Büchern in ein Regal. Es gehe um die Bewegungsschulung und Stärkung des Körperbewusstseins, so Kinast, der das Projekt koordiniert.

Dr. Althusmann unterstrich zum Auftakt, dass kaum ein anderer Bereich so sehr wachse wie der Gesundheitsbereich und die Digitalisierung dabei eine wesentliche Rolle spiele. Es werde darauf ankommen, die ärztliche Versorgung und das Patienten-Arztverhältnis so zu gestalten, dass durch Digitalisierung ein Mehrwert entstehe. Die Chancen der Digitalisierung müssten genutzt werden, aber es seien auch die notwendigen technischen und rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen. Deutschland sei in puncto Digitalisierung Entwicklungsland, es komme nun darauf an, den Anschluss an andere Länder nicht zu verlieren. Der Patient werde künftig statt mit großen Röntgenbildern unter dem Arm mit einem Digitalstick zum Arzt kommen. Wie der Schutz der digitalen Daten aussehen könne, müsse eingehend geprüft werden. Zur Forderung der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft, die Digitalisierung in den niedersächsischen Krankenhäusern finanziell zu unterstützen, sagte Althusmann, dem Ausbau der digitalen Krankenhausinfrastruktur mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Dr. Martina Wenker, Präsidentin der ÄKN, sagte, die Digitalisierung könne den persönlichen Kontakt zum Arzt niemals ersetzen. Es müsse einen geschützten Raum geben. In der Notfallbehandlung könne das schnelle Verschicken von Daten sehr hilfreich sein, in anderen Bereichen könne eine andere Herangehensweise sinnvoll sein. Patientendaten gehörten in die Hände von Patienten, er stelle sie dem Arzt dann für die Nutzung zur Verfügung.

Dr. Gisbert Voigt, Vorstandsmitglied der ÄKN aus Melle, erläuterte, dass es gelte, für den Digitalisierungsprozess im Gesundheitswesen laufende wissenschaftliche Studien und Projekte auszuwerten, zu diskutieren und daraus praktische Konzepte zu entwickeln. Alle Akteure des Gesundheitswesens und die Politik, die die rechtlichen Rahmenbedingungen setze, seien dazu aufgerufen, den Prozess aktiv mitzugestalten. Dr. Voigt sprach ein Projektvorhaben in der Region Osnabrück an, bei dem es darum gehe, Altenheime über eine Videoschaltung mit Medizinern zu verbinden.

Prof. Dr. Josef von Helden, Präsident der Hochschule Hannover, hob hervor, dass bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen die Berücksichtigung von Expertise aus unterschiedlichen Fachdisziplinen von ganz besonderer Bedeutung sei.

Prof. Dr. Fabian Schmieder, Experte für IT- und Datenschutzrecht der Hochschule Hannover und wissenschaftlicher Leiter des ersten niedersächsischen Digitalgipfels Gesundheit, sagte, Digitalisierungsprozesse benötigen für ihren Erfolg neben sicheren IT-Systemen auch einen Rechtsrahmen, der vor allem die Datenschutzbelange und die möglichen Vereinfachungen für Unternehmen und Bürger zu einem sinnvollen Ausgleich bringe. Viele Patienten forderten schon heute digitale Information vom Arzt. Jeder müsse selbst entscheiden können, ob und wie er am digitalen Gesundheitswesen teilnehmen möchte.

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